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Kolumbienkohle

Es gibt keine fair gehandelte Kohle!

Die wachsende Kohleverstromung hat in den Jahren 2012/13 mit dazu geführt, dass die CO2 – Emissionen in der Bundesrepublik wieder angestiegen sind. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, sind die Klimaschutzziele für das Jahr 2020 nicht einmal ansatzweise erreichbar.
Zurzeit werden ca. 35 Millionen Tonnen Steinkohle nach Deutschland importiert, um hier in 60 Steinkohlekraftwerken zur Stromerzeugung verfeuert zu werden. 2018 sollen in Deutschland die letzten beiden Steinkohlezechen in Bottrop und Ibbenbüren stillgelegt werden. Ab diesem Zeitpunkt muss der gesamte Steinkohlebedarf importiert werden.

Der südamerikanische Staat Kolumbien ist für die deutschen Energiekonzerne ein wichtiger Lieferant für Kraftwerkskohle und die Kohlegewinnung boomt gewaltig. Wurden 2007 noch 69 Millionen Tonnen gefördert, waren es 2010 schon 75 Millionen. Prognosen sagen für 2015 bereits eine Förderung von bis zu 120 Millionen Tonnen voraus. Über 95 Prozent der geförderten Kohle wird exportiert, vor allem nach Europa und in die USA.

Vor Ort zahlen die Menschen die Zeche für die Kohlegewinnung doppelt:

1. Denn im Süden der Welt sind die Folgen des Klimawandels kein Problem der Zukunft, sondern eine alltägliche Erfahrung. In Kolumbien ist vor allem die Landbevölkerung in den Regionen am stärksten betroffen. Trockenperioden und Überschwemmungen haben zum Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion geführt und gefährden ernsthaft die Nachhaltigkeit der Nahrungsmittelversorgung. (Klimareport 2014, Konrad Adenauer Stiftung)

2. Die Kohle wird in Kolumbien unter katastrophalen Bedingungen abgebaut. Um billig an den Rohstoff zu kommen, beuten die Verantwortlichen Mensch und Natur mit verheerenden Konsequenzen gnadenlos aus. So wurden Kleinbauern gewaltsam vertrieben und unzureichend entschädigt. Wälder wurden gerodet, Flüsse umgeleitet und riesige Abraumhalden produziert. Der offene Transport der Kohle mitten durch Ortschaften führt zu Gesundheits- und Umweltschäden. Dazu fallen den Tagebauen tausende Hektar Wald und landwirtschaftlich nutzbare Flächen zum Opfer.

Die Exportkohle wird fast ausschließlich in den Departments La Guajíra und Cesar im Tagebau gefördert und per Zug und Sattelschlepper zu den atlantischen Verladehäfen transportiert. Das Kohlebergwerk El Cerrejón in Kolumbien ist die größte Tagebaumine in Lateinamerika. Auch die in unserer Region tätigen Energiekonzerne (RWE und STEAG) beziehen ca. 30% ihrer Steinkohle von dort. Sie tragen damit zusammen mit den verantwortlichen Politikern Verantwortung für die verhängnisvolle Politik. Da die Kohle ein völlig anderes Produkt wie etwa Kaffee oder Kleidung ist, können die Mechanismen des fairen Handels hierbei nicht wirken. Was einzig bleibt ist:

Raus aus der Kohle!




Offener Brief an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft anlässlich ihrer Kolumbienreise

18.12.2015

Opfern Sie Menschenrechte und Klimaschutz nicht den Wirtschaftsinteressen!

Sehr geehrte Frau Kraft,
zu Ihren Äußerungen während Ihrer Kolumbienreise vom 25. – 27. November möchten wir Ihnen unseren Widerspruch und massive Kritik mitteilen.
Die Reise in Begleitung einer Wirtschaftsdelegation aus NRW mit mittelständischen Unternehmer/innen, Professor/innen, aber auch Manager/innen von Konzernen wie Steag, Aurubis oder ThyssenKrupp hatte insbesondere den Zweck der Wirtschaftsförderung – so ist der offiziellen Ankündigung Ihrer Staatskanzlei zu entnehmen.
Aus der Rheinischen Post vom 30.11.2015 erfuhren wir, dass Sie bei einem Gespräch zum Thema Kohle von Gewerkschafter/innen und Menschenrechtsaktivist/innen über massive Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Steinkohleförderung informiert wurden. Darauf reagierten Sie lediglich knapp: „Ich kann das nicht bewerten, die Menschenrechtsfragen müssen vor allem hier vor Ort geklärt werden.“ Dann gingen Sie ohne Umschweife dazu über, die deutsche Bergbau-Technologie zu bewerben. (Quelle: RP, 30.11.2015)

Hier ist der vollständige Text! (pdf)

Briefe an RWE, EON, STEAG, Stadtwerke Duisburg

11.12.2013

Im November 2013 hat das Klimabündnis Niederhein die Energieversorger der Region Niederrhein angeschrieben und sie gebeten folgende Fragen zu beantworten:

1. Welche Kohlemengen von welchen Lieferanten und Produzenten (Kohlemine) werden in Ihren Kraftwerken verfeuert?

2. Wie hoch ist der Anteil der Kohle aus Kolumbien, die in ihren Kraftwerken verfeuert wird? Aus welchen Kohleminen in Kolumbien stammen diese Mengen?

3. Mit welchen Maßnahmen stellen Sie sicher, dass bei der Förderung und dem Transport der dortigen Kohle soziale, ökologische und Menschenrechtsstandards eingehalten werden? Was haben Sie bisher in dieser Hinsicht unternommen?



Wir dokumentieren hier die Antworten der Energieversorger!



Interview

Von den Millionengewinnen haben sie nichts!

Kolumbien ist für Konzerne wie Vattenfall, Eon, EnBW und STEAG ein wichtiger Lieferant für Kraftwerkskohle. Sie wird dort unter katastrophalen Bedingungen abgebaut. Um billig an den Rohstoff zu kommen, beuten die Verantwortlichen Mensch und Natur mit verheerenden Konsequenzen gnadenlos aus. Mehrheitseigentümer der STEAG ist das StadtwerkeKonsortium. Dem StadtwerkeKonsortium gehören Versorger der Städte Dortmund, Oberhausen, Bochum, Essen, Dinslaken und Duisburg an. Das Interview mit Sebastian Rötters führte Klaus Kubernus-Perscheid.


Sebastian
Interview mit Sebastian Rötters

NKZ: Die Frage nach der Herkunft und den Abbaubedingungen der Importkohle kommt in der aktuellen Diskussion um die Energiewende in Deutschland praktisch nicht vor. Woher kommt die Steinkohle für deutsche Kraftwerke?

Sebastian Rötters: Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer bauen die Kohle ab, die den weltweiten Energiehunger stillt. Kolumbien ist zusammen mit Russland der wichtigste Lieferant von Steinkohle für deutsche Energieunternehmen.

NKZ: Unter welchen Bedingungen wird die Kohle in Kolumbien abgebaut?

Sebastian: In Kolumbien wird Steinkohle im Tagebau gefördert. Fruchtbares Land wird abgetragen, um an die darunter liegende Kohle zu gelangen. Dieses Land ist jedoch Heimat für tausende Menschen. Vor allem Kleinbauern und Indigene bauen dort Nahrungsmittel an, nutzen die natürlichen Rohstoffe der Wälder und entnehmen aus Gewässern Trink- und Brauchwasser. Sie verlieren durch den Kohleabbau ihre Lebensgrundlage. In jahrelangen Verhandlungen mit den Unternehmen müssen sie darum kämpfen, angemessen umgesiedelt und entschädigt zu werden. Für sie bedeutet die Ausbeutung der Kohlevorkommen unter ihren Füßen oft das Ende eines einfachen, aber auskömmlichen Lebens. Von den Millionengewinnen aus dem Kohlebergbau haben sie nichts.

NKZ: Welche gesundheitlichen und ökologischen Folgen hat der Steinkohleabbau für die Menschen?

Sebastian: In Kolumbien müssen für die Tagebaue ganze Flüsse umgeleitet werden. Tausende Hektar fruchtbares Ackerland gehen verloren. Tägliche Sprengungen und der Transport der Kohle mit LKWs und Güterwaggons verursachen eine immense Feinstaubbelastung, die zu massenhaften Atemwegserkrankungen unter der lokalen Bevölkerung führen. Der Verladehafen von Drummond verschmutzt die Strände in der Nähe der Stadt Santa Marta und beeinträchtigt die Fischer der Region. Die Kohlezüge, mit denen die Kohle an die Küste transportiert wird, rattern Tag und Nacht mitten durch zahlreiche Gemeinden, oft ohne jede Sicherheitsvorkehrungen. Viele Häuser entlang der Strecke wurden dadurch beschädigt. Die Gemeinden El Hatillo, Boquerón und Plan Bonito sind von mehreren Kohle-Tagebauen umringt. Die notwendigen Umsiedlungen der Gemeinden werden von Drummond und den anderen verantwortlichen Konzernen bewusst verschleppt.

NKZ: Welche Rolle spielen die internationalen Konzerne?

Sebastian: Vor allem die Konzerne Cerrejón (AUS, GB, CH), Drummond (USA), Glencore (CH) und Vale (BRA) bauen im Department La Guajíra und im Department Cesar Kohle für den Export ab. Neue Akteure wie der brasilianische Konzern MPX stehen bereits in den Startlöchern.

Der US-Konzern Drummond steht in dringendem Verdacht, die Morde an Valmore Locarno und Victor Orcasita in Auftrag gegeben zu haben. Valmore Locarno war Präsident, Victor Orcasita Vize-Präsident der Kohlearbeiter-Gewerkschaft SINTRAMIENERGETICA. Außerdem wird dem Unternehmen vorgeworfen, jahrelang paramilitärische Gruppen im Department Cesar finanziell unterstützt zu haben. Diesen paramilitärischen Einheiten werden tausende Morde und gewaltsame Ver-treibungen zur Last gelegt. Aktuell laufen zwei Gerichtsverfahren in den USA gegen die Firma Drummond und ein Verfahren in Kolumbien gegen den Hauptangeklagten Jaime Blanco Maya. Letzterer hat ausgesagt, dass der Firmeninhaber Garry Drummond persönlich die Finanzierung der Paramilitärs gutgeheißen hat. Am 5. April 2012 erhielten mehrere Kohle-Gewerkschafter anonyme Einladungen zu ihrer eigenen Beerdigung. Kolumbien ist und bleibt leider das gefährlichste Land der Welt für Gewerkschafter.

NKZ: Was können Stromkundinnen und -kunden tun, um Einfluss auf die Energiekonzerne zu gewinnen?

Sebastian: Die zum Teil katastrophalen Arbeits- und Abbaubedingen im Kohlebergbau in den Lieferländern gelangen selten an das Licht der deutschen Öffentlichkeit. Zudem ist kaum bekannt, woher genau die Energieunternehmen die Kohle für ihre Kraftwerke beziehen. Eine Informationspflicht seitens der Un-ternehmen existiert nicht. Als Kundin oder Kunde eines Kohle verstromenden Energieversorgers können Sie Ihren Stromversorger auffordern, Verantwortung für die Menschenrechte und die Umwelt zu übernehmen und sein Unternehmenshandeln transparent zu machen. Wir fordern ein Transparenz-Gesetz auf nationaler oder Europäischer Ebene, das Kohle importierende Unternehmen verpflichtet, Warenströme offenzulegen!

 


Hier gibt es weitere Informationen zum Thema:

Bitter Coal (Urgewalt, pdf)

Schwarze Löcher in der Unternehmensverantwortung. Deutschlands Steinkohleimporte aus Kolumbien und die Folgen für die Menschenrechte (FIAN, pdf).

Importkohle (Klimaallianz)

Kohleimporte (FIAN)

Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien

"Better Coal" heißt die Industrieinitiative von RWE & Co, die das Image der Kohle verbessern soll.

The Dark Side of Coal (PAX, NL)

Kolumbiens Kohle - Deutschlands Doppelmoral
Wie unsere Stromerzeuger von den Machenschaften internationaler Rohstoffkonzerne in Kolumbien profitieren
DLF Feature vom 23.6.2015